Rainer Maria Wölki

Meine Eltern haben mir den Doppelnamen Rainer Maria gegeben – und von Kindesbeinen an ist mir das Gebet des Rosenkranzes also sehr vertraut. Aber auch bei mir gab es Phasen im Leben, da konnte ich mit dem "gebenedeit unter den Frauen. Und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes" weniger anfangen. Die altertümliche Sprache und die Monotonie des Gebetes bereiteten mir Schwierigkeiten. Aus Gesprächen mit Jugendlichen weiß ich, dass viele ähnliche Probleme mit dem Rosenkranz haben. Ich weiß aber auch von jungen Erwachsenen, die diese Gebetsform ganz neu für sich selber wiederentdeckt haben, ohne dass ihre Eltern ihnen das beigebracht haben.

 

Ich glaube, es gibt in unserem Leben oft Momente, da ist es gut, wenn wir selbstformulierte Gebete sprechen. Wenn wir mit Gott direkt im Dialog sind, im freiformulierten Gebet oder Gespräch sind. Da braucht es für den Austausch mit Gott keine Formeln und festgelegte Sprachregelungen. Aber es gibt auch Momente, in denen uns vorformulierte Gebete eine große Hilfe sind. Das seit Jahrhunderten erprobte und gebetete Gebet des Rosenkranzes ist so ein "Grund-Gerüst". Es gibt uns Halt in Lebensphasen, gerade in den Momenten, die uns unaushaltbar, unerträglich erscheinen.


Oft habe ich selber Kranke und Sterbende im Rosenkranzgebet begleitet. Und immer habe ich gespürt, wie trostreich, hilfreich und aufbauend das seit Jahrhunderten erprobte Rosenkranzgebet sein kann. Nicht nur im Rosenkranzmonat Oktober dürfen wir also voll Vertrauen auf die Fürsprache der Gottesmutter bauen und zu unserer Fürsprecherin beten: "Gegrüßet seist Du, Maria, voll der Gnade. Der Herr ist mit Dir. Du bist gebenedeit unter den Frauen. Und gebenedeit ist die Frucht Deines Leibes: Jesus. Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder jetzt und in der Stunde unseres Todes. Amen."