Die Geschichte des Gnadenbildes

Wenn wir auf unserer Wallfahrt nach Heimbach hinter Schmidt die letzten Höhen erreicht haben, dann sehen wir vor uns im Tal das liebliche Städtchen Heimbach mit seiner Burg und drüber auf dem mächtigen Rücken des Kermeter die altehrwürdige Abtei Maria Wald. Dieses schöne Fleckchen Erde hat sich die Gottesmutter vor vielen Jahrhunderten zum Gnadenort erkoren. Im Pfarrarchiv zu Heimbach befindet sich eine Niederschrift, die uns in rührender Einfachheit die Geschichte des Gnadenbildes erzählt. Danach hat es der Strohdecker Heinrich Fluitter aus Heimbach zum ersten Mal in Köln gesehen. Er hätte es gerne gekauft, aber ihm fehlte das Geld dazu. So kam er traurig zurück und klagte seine Not: Hette er neun mark, er wollte "ein bildt gelten und es in den busch setzen". Da gab ihm der alte Hein Reinhardt das Geld und überglücklich trug er das Gnadenbild heim. Von nun an galt seine ganze Sorge dem Bild der Schmerzhaften Mutter. Er baute dem Bild ein Kapellchen und für sich eine winzige Hütte daneben, damit er das bildt beleuchten und der Pilgern pflegen könne. Deren Zahl wurde immer größer, denn an zahlreichen Wundern die geschahen erkannte man, dass die liebe Gottesmutter an dieser Stelle wollt verehrt werden. Als es mit Fluitter zum Sterben kam, offenbarte er, was ihm Maria anvertraut hatte: "nach seinem Todt würde Maria allhier noch viele Zeichen thun, und sie seien schon geboren, die ein schön Münster hie sollen sehen stahn".

Zisterziensermönche waren es, die von der göttlichen Vorsehung zu Hütern und Wächtern des Gnadenbildes auserkoren wurden. Sie errichteten, wie Fluitter es vor seinem Tode prophezeit hatte, zu Ehren der Gottesmutter eine schöne Wallfahrtskirche und für gottsuchende Seelen ein friedliches Heim. Im Jahre 148o sehen wir die ersten Mönche auf dem Kermeter, die für die Pilger sorgen und mit den Rodungen und Vorbereitungen für den Klosterbau beginnen. Wohl mag es eine harte Arbeit gewesen sein, den waldgekrönten Berg zu lichten, Steine zu brechen, den Boden urbar zu machen und in Ackerland und Wiesen umzuwandeln. Doch der Fleiß und die Ausdauer der Zisterzienser schreckten vor keinem Hindernis zurück. Und ihre Mühe wurde belohnt. Am 4. April 1486 feierten die Mönche und die Bewohner der Umgebung zu ihrer großen Freude den Gründungstag des Klosters, das den Namen nemus Mariae d.h. Maria Wald bekam. Von nun an wuchs die Zahl der Pilger, die nach Maria Wald zogen, von Jahr zu Jahr. Sie kamen aus der Eifel, dem Dürener-, Jülicher- und Aachener Land. Diese schöne Entwicklung wurde jäh unterbrochen, als gegen Erde des 18. Jahrhunderts die französische Revolution ausbrach. In ihrem Gefolge kam die Aufhebung der Klöster. Auch das Kloster Maria Wald wurde mit Beschlag belegt und von den Mönchen verlassen. Das Gnadenbild der schmerzhaften Mutter aber mit dem herrlichen Antwerpener Marienaltar kam auf ausdrücklichen Wunsch des damaligen Aachener Bischofs Berdolet in die Heimbacher Pfarrkirche, wo es bis auf den heutigen Tag verehrt wird.